5 Strukur & Klassifikation
Teil 1: Die Komponenten der Chondrite (1 - 4)
Chondrite enthalten primitives Material, das direkt in der protoplanetaren Scheibe gebildet, und darauf folgend im Meteoriten-Mutterkörper gar nicht bis stark verändert wurde. Die einzelnen Komponenten der Chondrite erlaubt direkte Rückschlüsse auf die Struktur, Bildung, Entwicklung, Chronologie, usw. der protoplanetaren Scheibe. Es ist daher von zentraler Bedeutung, die verschiedenen Komponenten der Chondrite zu kennen. Informiere Dich über die verschiedenen Chondrit-Komponenten, und beschreibe diese am Besten mit Hilfe von Zeichnungen.
Lernziele
Beschreibe die allgemeine Struktur und Textur der Chondrite. Nenne und beschreibe deren Komponenten, inklusive deren genereller Mineralogie, und wie sich die Chondrite in der Häufigkeit ihrer Komponenten unterscheiden.
Teil 2: Die verschiedenen Klassen der Meteorite (5 - 8)
Meteorite unterscheiden sich in vielen Eigenschaften. Schaue Dir an, wie Meteorite klassifiziert werden, und welche Kriterien dafür wichtig sind. Die Meteoriten-Klassifikation hat außerdem einen direkten Bezug zu deren Mutterkörper. Verstehe diesen Zusammenhang.
Lernziele
Nenne die Kriterien, um Meteorite zu klassifizieren. Zeichne die allgemeine Klassifikation der Meteorite bis etwa auf Clan-Ebene, inklusive deren relativer Häufigkeiten. Erkläre, wie die Klassifikation der Meteorite mit dem Aufbau und der Struktur ihrer Mutterkörper zusammen hängt.
5.1 Die verschiedenen Chondrite und ihre Komponenten
Die Haupt-Komponenten der Chondrite sind Chondren (typischerweise 20-80 vol%) und Matrix (ebenso typischerweise 20-80 vol%), und die Neben-Komponenten sind CAIs (0-3 vol%) und Opak-Phasen (Metall und Sulfid; typischerweise 0-5 vol%). Die Größen und Häufigkeiten der Komponenten variieren teils stark zwischen den verschiedenen Chondrit-Gruppen. Weiter treten Spuren weiterer, oftmals recht wichtiger Komponenten auf: präsolare Körner, organisches Material, UN/FUN Einschlüsse, Fremdlinge – und mehr.
Haupt-Komponenten: Chondren: 20-80 vol%; Matrix: ca. 20-80 vol% Neben-Komponenten: CAIs: ca. 0-3 vol%; Opak-Phasen: ca. 0-5 vol%.
Präsolare Körner, organisches Material, UN/FUN Einschlüsse, Fremdlinge, etc. Organisches Material enthält z.B. Informationen über mögliche Bausteine für Leben, oder profaner, den petrologischen sub-Typ eines Chondriten. Präsolare Körnern können die Isotopen-Zusammensetzung der Chondrite und ihrer Komponenten charakteristisch verändern, und so für Reservoir-Studien verwendet werden.
✗CI
✗CV
✓CK
✗CO
✗CM
✗CH
✗CB
✓Wahr
✗Falsch
✓Gewöhnliche Chondrite
✗Kohlige Chondrite
5.2 Struktur von Gesamt-Chondriten in 3D
Mikro Computer untestützte Tomographie (µ-CT – wobei sich ›mikro‹ auf die untersuchte Größenskala bezieht) erlaubt 3D Einblicke in Meteorite. Durch die damit erzeugten Bildstapel kann man sich sequentiell hindurch bewegen, daraus 3D Objekte erstellen und die verschiedenen Komponenten einzeln entfernen, oder in stereographischen Bildern oder Filmen mit rot/grün Brillen studieren. Tomographische Untersuchungen sind entscheidend um z.B. wahre 3D Komponenten-Größen, Verteilungen, Auftreten oder Strukturen zu bestimmen. Diese Untersuchungen sind außerdem äußerst instruktiv und anschaulich um die Struktur von Meteoriten zu verstehen.
In 2D gibt es immer Schnitteffekte, die es in 3D nicht mehr gibt. So können in 3D wahre Chondren-Größen, Modalbestände von Opak-Phasen in Chondren und Matrix, oder Strukturen von Chondren, usw. bestimmt werden.
✓Wahr
✗Falsch
✗Pixel
✗Vixel
✓Voxel
✗Poxel
✗mm
✓µm
5.3 Generelle Eigenschaften der Chondrite
Zu den grundlegenden Charakteristika der Chondrite gehört der Modalbestand der Komponenten wie Chondren (inkl. deren mittleren Chondren-Größen), Matrix, Ca,Al-reiche Einschlüsse (CAIs) und Metall, sowie auch Sulfide. Zwischen den letzten beiden wird häufig nicht unterschieden. Es ist außerdem interessant zu wissen nach welchenm Typ-Meteorit eine Chondrit-Gruppe benannt ist, bzw. welches andere Kriterium verwendet wird, um eine Chondrit-Gruppe zu benennen.
Kohlige Chondrite, außer CI. Auch CK haben vermutlich aufgrund ihres oftmals höheren petrologischen Typs weniger Chondren, die während der Metamorphose rekristallisieren und dabei ihre ursprüngliche Textur verlieren. Dazu noch R und K Chondrite.
Kohlige Chondrite (8 Gruppen) haben zunächst ein ›C‹, gefolgt vom ersten Buchstaben des Typ-Meteorits für die Gruppe. Eine Ausnahme sind die CH Chondrite, hier steht das H für ›high iron‹. Gewöhnliche Chondrite (3 Gruppen) werden nach ihrem Eisen- und Metall-Gehalt unterschieden in H für ›high iron‹, L für ›low iron‹ und LL für ›low iron, low metal‹. Die beiden Enstatit Chondrit-Gruppen bekommen zunächst ein ›E‹, gefolgt von ›H‹ bz. ›L‹, welche dieselbe Bedeutung haben wie bei den gewöhnlichen Chondriten. Die Einzelgruppen R und K sind nach deren Typ-Meteorit benannt.
✗<0.1 mm
✓<1 mm_x000B_<10 mm
✗ca. 3 vol% in CR Chondriten
✗ca. 4 vol% in CR Chondriten
✗ca. 4 vol% in CK Chondriten
✓ca. 3 vol% in CV Chondriten
✗ca. 4 vol% in CV Chondriten
✓CC
✗OC
✗EC
✗K
✗R
5.4 Struktur und Erscheinungsbild von Chondrit-Matrices
Kohlige Chondrite haben den höchsten Matrix-Modalbestand von bis zu einigen zehner Vol%, in nahezu 100 Vol% in den CI Chondriten. Der Ursprung sowie die Umarbeitung von Matrix-Material ist weiterhin umstritten. Matrix-Material wahr ursprünglich entweder sub-µm winziges, interstellares Material der Molekülwolke aus der sich unser Sonnensystem gebildet hat. Alternativ kondensierte das Matrix-Material in einer evaporierten Region der protoplanetaren Scheibe, vermutlich nahe der junge Sonne. Schließlich könnte Matrix-Material noch der feine Abrieb aus Zusammenstößen etwas größerer Partikeln resultieren. Zumindest scheint es unzweifelhaft, dass Chondren und Matrix gemeinsam zu Planetesimalen aufklumpften, aus denen in den folgenden, wenigen Millionen Jahren die Planeten entstanden. Es ist ebenso klar, dass die ursprüngliche Matrix auf den meisten Mutterkörpern noch wässrig und/oder thermisch verändert wurde, was zu einem breiten Spektrum an Matrix-Strukturen und dem Aussehen der Matzes beigetragen hat.
CC: 20-80 vol% (100 vol% in CI); OC: 10-15 vol%; EC: 2-15 vol%; R: 36 vol%: K: 73 vol%.
- sub-µm winziges, interstellares Material; (ii) kondensiertes Material aus einer evaporierten Region nahe der jungen Sonne; (iii) feinkörniger Abrieb aus Zusammenstößen von etwas größerem Material, z.B. Chondren.
✗Wahr
✓Falsch
✓Olivin
✓Phyllosilikate
✓Sulfide
✓Feldspäte
✓Magnetit
✓Pyroxen
✓Serpentin
✓Wahr
✗Falsch
5.5 Klassifikation der Meteorite
Meteoriten-Gruppen werden anhand vieler Charakteristika klassifiziert, wie Auftreten, Größe und Häufigkeit von Komponenten, oder der Gesamt-Element und Isotope-Zusammenestzungen.
Mutterkörper: Undifferenziert – Intermediär – Differenziert Super-Klassen: Chondrite – Primitive Achondrite – Achondrite Klassen: Kohlige Chondrite – Gewöhnliche Chondrite – Enstatit Chondrite – (R, K) Clans: CM-CO, CV-CK, CR-clan – Acapulcoite-Lodranite, Winonaite-IAB-IIICD – Mond, Mars, Vesta, Pallasite, Eisen
Bei einigen Gruppen spielt es keine echte Rolle, ob sie Clans oder Klassen zugeordnet werden.
Meteorite werden klassifiziert entsprechend der darin auftretenden Komponenten wie Chondren, CAIs, Matrix; deren Gesamt-Mineralogie; dem Modalbestand und Größe der Komponenten/Minerale, sowie der Element- und Isotopen-Zusammensetzung der Gesamt-Meteorite.
Es gibt weitere Klassifikationsmerkmale wie Schock, Verwitterung, etc., die aber nicht notwendigerweise Grundlage für die Klassifikation hier sind.
Damit werden bei den Chondriten die gewöhnlichen und Enstatit-Chondrite unterteilt, sowie eine Gruppe der kohligen Chondrite. Die Buchstaben stehen dabei für: high iron, low iron und low iron low metal.
Die einzige Gruppe bei den kohligen Chondriten, welche dieser Klassifikation folgt und ein ›H‹ enthält, sind die CH-Chondrite.
✗Primitive Achondrite
✗Vesta
✗Lodranite
✗CR-clan
✓Undifferenzierte
✗IIAB
✗Intermediär
✗CI-CR clan
✗Sonnen-Chondrite
✓Kohlige Chondrite
✗Gewöhnliche Chondrite
✗C steht für ›Casablanca‹
✓C steht für ›carbonaceous‹
✗Der zweite Buchstabe spezifiziert den Clan
✗Der zweite Buchstabe steht für ›kohliger Chondrit‹ Der zweite Buchstabe steht für den Typ-Chondrit
✗Diese wurden sehr heiß, und sind stark metamorph überprägt
✓Diese waren komplett aufgeschmolzen, aber nur teils differenziert
✓Diese enthalten teils noch Chondren
✗Zu diesen gehört der Mond
✗Zu diesen gehören die Pallasite
✓Manche Meteoriten-Gruppen repräsentieren die Kern-Mantel Grenze
✓Der Mars gehört dazu
✓Es sind alles differenzierte Mutterkörper
✓Eisen-Meteorite werden anhand ihrer Spuren-Elemente weiter unterteilt
✓Mesosiderite sind eine Gruppe der Achondrite
5.6 Klassifikation der Gewöhnlichen Chondrite
Gewöhnliche Chondrite werden anhand der Fayalit (Fa)- und Ferrosilit (Fs)-Gehalte in Chondren-Olivin bzw. Pyroxen klassifiziert. Es werden 3 Gruppen unterschieden, basierend auf der Gesamt Fe-Konzentration im Chondrit: high-metal (H), low-metal (L), low-iron, low-metal (LL). Es irritiert etwas, dass die Fa- und Fs-Gehalte steigen, obwohl die Gesamt Fe-Konzentrationen sinken, aber das kommt schlicht daher, dass die LL Chondrite oxidierter sind als die H Chondrite. Weitere Merkmale der OC sind: sie bestehen hauptsächlich aus Chondren (60-80 vol%) und Matrix (~10-15 vol%), etwas Opak-Phasen (2-10 vol%) und seltene CAIs (0.1-1 vol%). Mittlere Chondren-Größen liegen zwischen 300 und 900 µm. Die Si/Mg Verhältnisse der OC sind super-solar, und die volatile Element sind zu variablen Anteilen verarmt relativ zu solar.
H: high Fe (iron); L: low Fe (iron): LL: low Fe (iron), low metal.
LL Chondrite haben die höchsten FeO-Gehalte, d.h. die höchsten Fa- und Fs-Gehalte. Das ist unerwartet, da die LL Chondrite die geringsten Fe-Gehalten haben. Der ist, dass die LL Chondrite zwar die geringsten Fe-Gehalte haben, aber auch am oxidiertesten sind, und daher die Silikate der LL das meiste FeO enthalten.
✓H3.5
✗CO3
✓L
✓L/LL
✗R3.7
✓L6
✗Wahr
✓Falsch
✓Wahr
✗Falsch
5.7 Klassifikation der Eisen-Meteorite
Eisen-Meteorite haben eine lange Klassifikationsgeschichte, unter anderem eine strukturelle Klassifikation in ›Oktahedrite‹ oder ›Ataxite‹, die heute nicht mehr verwendet wird. Stattdessen werden Gesamt-Meteorit Spurenelemente verwendet um >10 Gruppen zu unterscheiden, plus einer großen Anzahl ungruppierter Eisen-Meteorite. Große Trends in der Zusammensetzung einzelner Gruppen werden als das Ergebnis fraktionierter Kristallisation interpretiert. Eisen-Meteorite mit ausgedehnten Trends werden als ›magmatisch‹ bezeichent, und solche mit geringeren Trends als ›nicht-magmatisch‹. Ein unglückliche Unterscheidung, da alle Eisen-Meteorite einmal geschmolzen waren.
Entsprechend ihrer siderophilen Spurenelement-Konzentrationen. Typische Klassifikationsdiagramme sind Ir vs. Ni und Ge vs. Ni.
Entsprechend struktureller Eigenschaften. Die Meteoriten wurden aufgeschnitten, poliert und mit einer schwachen Säure (HNO3) behandelt Die verschiedenen Mineral reagieren unterschiedlich auf die Säure, dabei wird deren Kristallisationsstruktur erkennbar (-> Widmanstättsche Muster). Diese wurden dann zur Klassifikation in z.B. Hexahedrite, Oktahedrite oder Ataxite verwendet.
✓Nichts genetisches, nur ob diese entweder eine große oder geringe Variabilität in ihrer Zusammensetzung haben.
✗Wie der Name sagt: eine Gruppe wurde durch magmatische Prozesse gebildet, die andere dagegen nicht.
✗Nichts, das bezieht sich ausschließlich auf die alte Klassifikation nach der Struktur, und hat heute keine Bedeutung mehr.
✗Differentation des Mutterkörpers
✓Fraktionierte Kristallisation
✗Mischung verschiedener Meteoriten-Gruppen
✗Sub-Solidus Element Umverteilung
✗<10
✓
10
✗unklar
5.8 Häufigkeiten der verschiedenen Meteoriten-Klassen
Es ist interessant sich einmal anzuschauen, wie viele Meteorite eines bestimmten Typs in unseren Sammlungen vorhanden ist. Beispielsweise sind die meisten Meteorite undifferenziert (93%). Von den differenzierten Meteoriten sind die meisten HEDs, nur wenige sind Pallasite oder Mesosiderite. Die meisten Chondrite sind gewöhnliche Chondrite (95%) – daher der Name. Nur 4% sind kohlige Chondrite. Von diesen sind die meisten CM, CO, CV und CK, wobei CM-CO und CV-CK noch eigene Clans bilden. Nur etwa 0.4% der kohligen Chondrite gehören zu den wichtigen CI Chondriten, die in etwa dieselbe Zusammensetzung wie die Sonne haben. Natürlich wären noch sehr viel mehr und andere Einsichten möglich und interessant. Z.B., wie sich Fälle von Funden unterscheiden.
Das lässt sich nicht sagen. Vermutlich nicht sonderlich repräsentativ. Viele Chondrite können von nur einem Mutterkörper stammen, wie die CRE-Alter nahe legen. Das verzerrt dann die gesamte Statistik.
CO, CM, CV, und CK. Dabei bilden CO-CM und CV-CK noch Clans, d.h., diese haben einige Ähnlichkeiten. Der CO-CM Clan macht mehr als die Hälfte der kohligen Chondrite aus (52%), der CV-CK Clan immer noch 36%. D.h., nur 12% sind andere kohlige Chondrite.
✓>60.000
✗>10.000
✗>6.000
✓ca. 92%
✗ca. 29%
✗ca. 48%
✗ca. 63%
✗ca. 4%
✗ca. 0.015%
✓ca. 0.4%
✗ca. 0.04%